… und was kommt als nächstes?

Tracking, Tracking, Tracking. Immer und überall. Dass das Smartphone – als ständiger Wegbegleiter – längst Bewegungsdaten seiner Besitzer.innen sammelt, ist keine Neuheit mehr. Eine Paketsendung zu verfolgen kann sinnvoll sein, seine Pizza-Lieferung zu orten hat zugegeben einen gewissen Charme und Spaßfaktor, aber ist es wirklich notwendig permanent Menschen zu orten? – Nein!

Vor Kurzem sorgte die neue Standort-Funktion bei Snapchat für Aufsehen, da es möglich wurde zu sehen, an welchem Ort (metergenau) die Fotos (Snaps) aufgenommen wurden. (Weitere Infos im Beitrag „Neue und gefährliche Ortungsfunktion bei Snapchat„).

WhatsApp setzt noch einen drauf: Die neue Funktion, die es ermöglicht seinen Standort live (an Einzelpersonen oder Gruppen) zu versenden, fügt einen neuen Faktor hinzu: Die Freiwilligkeit! Oder auch die Bewusstheit. Gerade Kinder und Jugendliche sind sich oftmals nicht darüber bewusst, dass sie ohnehin permanent getrackt werden, wenn sie ihr Smartphone nutzen und sich keine Gedanken über die Einstellungen am Handy machen (z.B. eingeschaltetes WLAN, Bluetooth, GPS, …). Doch mit der neuen Funktion bei WhatsApp, einer App, die beinahe von jedem Kind (und Erwachsenen) genutzt wird, ist es naheliegend, dass von dieser Funktion Gebrauch gemacht wird. Das ist nicht nur gefährlich, sondern einfach überflüssig. Wer freut sich besonders darüber? Die Eltern! Denn die können jederzeit mitverfolgen, wo sich ihr Kind befindet.

Auch die Smartwatch für Kinder ermöglicht Eltern ihre Kinder über eine App in Echtzeit zu überwachen. Ist das notwendig? – Nein! Man mag die Überwachung der Kinder mit mehr Sicherheit gleichsetzen, doch im Grunde genommen ist dies nur eine Illusion, bei der Kindern ihre Freiheits- und Selbstbestimmungsrechte geraubt werden. Dass diverse Apps und technischen Spielereien massenweise Daten sammeln und anschließend verkauft werden, war bisher ein Problem, dass eher Erwachsene als Kinder betroffen hat. Doch nun geraten auch Kinder immer mehr in den Überwachungsfokus und ermöglichen Unternehmen die Manipulation und Beeinflussung von klein auf. Und was passiert, wenn die GPS-Armbanduhr von Fremden gehackt wird? Für Eltern sollte allein die Möglichkeit des Hackings Grund genug sein auf den Mini-Computer am Handgelenk zu verzichten. Die norwegische Verbraucherschutzzentrale konnte bereits erhebliche Sicherheitslücken feststellen, weshalb von dem Kauf des Geräts abgeraten werden kann: https://www.datenschutzbeauftragter-info.de/smartwatch-fuer-kinder-zugriff-auf-kamera-mikrofon-und-standort-moeglich/

[Update vom 24.11.2017]: Die Bundesnetzagentur verbietet den Kauf von Smartwatches für Kinder: https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2017/17112017_Verbraucherschutz.html

Was heißt das nun für dich?
Wenn du WhatsApp nutzt (was du ohnehin besser nicht tun solltest), solltest du von der Live-Tracking-Funktion Abstand nehmen. Auch wenn deine Freunde die Funktion cool finden, solltest du da nicht mitmachen! Und wenn deine Eltern von dir verlangen, dass du die Tracking-Funktion nutzt: Sprich in Ruhe mit ihnen, dass du nicht überwacht werden möchtest. Dass du das nicht möchtest, hat nichts damit zu tun, dass du Blödsinn anstellen möchtest, von dem deine Eltern nichts mitbekommen sollen, denn es geht hierbei um Grundrechte und deine Freiheit. Es ist viel wichtiger an einem vertrauensvollen Verhältnis zu arbeiten, damit die Überwachung von Eltern gar nicht erst notwendig ist.

Weitere Informationen rund um das Thema findest du im „Kids digital genial“-Lexikon:

Weitere Informationen zu WhatsApp findest du im App-Check:

 

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Bild: CC0 Public Domain (»Creative Commons)

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